Die Geschichte der Abituria Germania Lichtenfels beginnt am 2. September 1925. In einer Zeit also, In der das gesamte Verbindungswesen in Deutschland und im deutschsprachigen Raum wieder einen Aufschwung erlebte. Patriotismus war vor allem bei der jüngeren Generation wieder gefragt, als Stichworte sind hier der Versailler Vertrag und die sog. Dolchstoßlegende zu nennen. Dieser Zeitgeist machte sich auch bei Vebindungen bemerkbar, die plötzlich wieder Zulauf wie selten zuvor hatten. Am 2. September (Sedanstag) 1925 fanden sich 8 Absolventen der damaligen Realschule Lichenfels im Gasthaus Gustav Schmidt, äußere Coburger Straße, zusammen, um den schon länger gehegten Wunsch nach einem festeren Zusammenschluß aller Absolventen von Lichtenfels Wirklichkeit werden zu lassen. Es waren dies die späteren Bundesbrüder:
Karl Roschlau v./ Pollux
Wilhelm Fischer v./ Papst
Hermann Fugmann v./ Castor
Erwin Güntsch v./ Schlauch
Ferdinand Hagen v./ Spund
Hans Künneth v./ Harras
Hans Zöllner v./ Sinus
Heinz Neidl v./ Rausch
Der Name der Verbindung war “Germania Lichtenfels“. Die Farben der Germania wurden die Lichtenfelser Stadtfarben Blau— Gold— Schwarz, der Zirkel lautete Germania Lichtenfels, vivat crescat floreat in aeternum: Das Blühen und Gedeihen der Verbindung zeigte gute Fortschritte, sodaß das Lokal Gustav Schmidt bald zu klein wurde, und wir dann gezwungen waren, in das Gasthaus Fiedler überzusiedeln. Für 1—2 Jahre wurde dann zum Gasthof Wittelsbach hinübergewechselt, wo der Germania zwei Räume zur Verfügung standen. Hier verlebte man so manch schöne Stunde. Zu Begin der 30er Jahre wurde endgültig die Gastwirtschaft Fiedler, nahe der Aktienbrauerei, als Kneiplokal bestimmt. Couleurschrank und Schläger wurden angeschafft. Für größere Veranstaltungen stand auch die Kegelbahn zur Verfügung. Der Wirt Georg Fiedler (Fiedlers‘ Schorsch) paßte ausgezeichnet zu den Germanen. Festveranstaltungen wurden entweder im Nebenzimmer (Saal) des Hotels Krone oder im Bürgerbräusaal abgehalten. Die Germania pflegte Freundschaft und Geselligkeit, nicht zuletzt aber auch die Wissenschaft. So wurde durchschnittlich einmal im Monat ein Vortrag über irgend ein wissenschaftliches Gebiet gehalten. Ferner fand monatlich eine Kneipe mit AC oder BC statt. Das Stiftungsfest wurde alljährlich feierlich begangen, wobei im Mittelpunkt der festliche Kommers stand, bei dem immer ein Landesvater gestochen wurde. An den hochoffiziellen Kommers am Samstag schloß sich dann sonntags ein Couleurausflug mit Damen an. Am Montag darauf trafen sich die Bundesbrüder traditionsgemäß zu einer Exkneipe, mit der das Stiftungsfest seinen Abschluß fand. Gelegentlich wurde bei Fiedler ein Kegelabend abgehalten. Die Fuxenstunden fanden wöchentlich statt, die außer vom Fuxmajor auch von anderen Chargen abgehalten wurden. Im Mai 1934 starb unser lieber Kneipwirt Georg Fiedler. Eine Abordnung der Germania gab ihm die letzte Ehre. 1934 stand die Germania vor der Wahl sich gleichschalten zu lassen oder sich aufzulösen. Letzteres wurde gewählt. Im Juli 1953 trafen sich die Bundesbrüder der Germania auf die Initiative unseres AH Wilhelm Fischer im Bürgerbräu und beschlossen, die Verbindung wiederzugründen. Zu diesem Treffen der alten Germanen waren bereits Vertreter der jungen Absolvia Lichtenfels eingeladen. ES wurde beschlossen die Germania und die Absolvia am 31.10.1953 zu vereinigen. Die Bundesbrüder der Germania bildeten den Philisterverband, die jungen Absolven die Aktivitas.
2. Die Absolvia Lichtenfels
Die Anregung zur Gründung einer Absolventenvereinigung an der nun— mengen Oberrealschule Lichtenfels ging von zwei Freunden aus, die eines Abends bei einer halben im Ratskeller Lichtenfels saßen und darüber nachdachten, wie man die bis jetzt, fast ein Jahr nach der Entlassung noch bestehende sehr gute Freundschaft und Kameradschaft innerhalb des Jahrgangs 1951 erhalten könnte. Es bildete sich bald ein Kern von 8 Ehemaligen heraus, darunter auch Frauen, die lange Nächte hindurch über die Gründung und Satzung einer Verbindung berieten. Unterstützt wurden sie auch von zwei Studienräten aus der Schule, die sich für die Gründung einer Absolvia einsetzten. Am 6. Juli l952 war man nach dreimonatlichen Verhandlungen über die Satzung endlich soweit, daß im Deutschen Haus die Absolvia Lichtenfels offiziell ins Leben gerufen werden konnte. Als Farben wählte man Schwarz— Gold— Blau, Zirkel hatte man keinen. An diesem Tag reichten sich um 22.15 Uhr im Deutschen Haus die folgenden 8 Bundesschwestern und Bundesbrüder die Hände, und gaben ihr Treueversprechen auf die Farben ab:
Dieter Dell v./ Rum
Herbert Dobirr v/. Gin
Irmgard Flechtner
Gerhard Heimerl v./ Naso
Horst Kestel v./ Faß
Siegfried Münch v./ Lurch
Rotraut Weber
Michael Sauer v./ Tang
Am gleichen Abend trat Gerlinde Jüngling dem Bund bei. Die junge Verbindung stand zunächst vor dem Problem wie die Veranstaltungen zu gestalten sind. So ist es zu erklären, daß eine Zusammenkunft Anfang August 1952, bei der etwa 30 Anwesende gezählt werden konnten, zu einem Mißerfolg geriet. Während der darauffolgenden Krise in der Absolvia waren es vor allem die Damen, die den Verbindungsgedanken aufrecht hielten. Diese “Gründungskrise“ wurde erst überwunden, als man sich klar— wurde, daß bei Zusammenkünften ein Präsidium vorhanden sein muß, welches nach einer bestimmten Ordnung, eben einem Comment, die Kneipe oder die sonstige Veranstaltung leitet. Nachdem also ein Kneipcomment gefunden war, erlebte die Absolvia einen regen Zulauf der Schüler! Schülerinnen aus der Schule, und eine etliche Anzahl von ihnen trat dem Bund bei. Die Absolvia erlebte also eine erste Blütezeit. Am 23. Mai 1953 während einer Kneipe erwies sich unser FM Lurch als ausgezeichneter Kneipwart, und am gleichen Abend wurden die Biernamen offiziell eingeführt. Es entwickelte sich auch ein hervorragendes Verhältnis zu der Absolventenvereinigung AV! Rosenburgia zu Kronach. Man besuchte gegenseitig die Veranstaltungen und schlug auch Kreuzkneipen. Wie bereits erwähnt waren die Absolven im August von den Germanen zu einer Zusammenkunft ins Bürgerbräu eingeladen worden. Zweck dieser Zusammenkunft war die Idee der Gründung einer Schülerverbindung in Lichtenfels. In Erwiderung dieser Einladung lud die Absolvia am 19.9. 1953 die Germanen zu einer Kneipe ins Deutsche Haus ein. Am 26.9.53 fand in den Bürgerbräugaststätten ein Convent mit der Germania statt. Da es verschiedene Meinungsverschiedenheiten gab, einigte man sich darauf, daß von jeder Verbindung 3 Vertreter zusammen eine neue Satzung ausarbeiten sollen. Während der anschließenden Kneipe kamen sich Germanen und Absolven bei Gemütlichkeit, Frohsinn und Gesang gewaltig näher. Am 10. Oktober 1953 trafen sich die gewählten Vertreter der beiden Verbindungen für die Germania: AHAH Fischer, Hetzel und Dr. Schell, für die Absolvia: BbBb Heimerl, Münch und Dell, einigten sich auf eine gemeinsame Satzung und beschlossen, daß am 5 der Zusammenschluß offiziell und feierlich vollzogen werden soll. Der Name der Verbindung soll Absolvia Germania Lichtenfels lauten. Die Farben der Verbindung sind Blau— Gold— Schwarz, der Wahlspruch lautet Freundschaft, Wissenschaft, Vaterland. Der Zirkel der alten Germania wurde übernommen: Germania Lichtenfels, vivat crescat floreat in aeternum. Die gesamte Absolvia bildete die Aktivitas, die BbBb der alten Germania bildeten geschlossen den Altherrenverband.
3. Die Absolvia Germania Lichtenfels
Am 31. Oktober 1953 fand ein Gesamtconvent zum Zusammenschluß der beiden Verbindungen, Absolvia und Germania, mit anschließender Kneipe bei der Seffa statt. Diese Veranstaltung kann man als mehr als gelungen bezeichnen. Viele alte Herren waren von weit her gekommen, um an diesem Tage im Kreise alter Freunde weilen zu können. Viele haben sich Jahre nicht gesehen, so daß die Wiedersehensfreude sehr groß war. Die gemeinsame Idee, die Begeisterung für den Bund und damit das Zusammengehörigkeitsgefühl von Alt und Jung förderte die Stimmung und die Gemütlichkeit dieses Abends. Die Kneipe leitete der erste Sprecher der Absolvia Germania Bb Gerhard Heimerl v./ Naso. Als 1954 erstmalig ein Abitur am nunmehrigen Meranier Gymnasium Lichtenfels stattfand, erhielt die Verbindung ihren jetzigen Namen: Abituria Germania Lichtenfels. In den darauffolgenden Semestern wuchs der Bund stark an. Die Stiftungsfeste und der dazugehörige Festball gehörten zu den gesellschaftlichen Großereignissen in Lichtenfels. Sie wurden im Bürgerbräu abgehalten. Gegen Ende der 60er Jahre jedoch merkte man wie der Verbindungsgedanke aus der Mode kam. Es war die Zeit der Studentenproteste und der APO. Das bekam auch die Abituria zu spüren, denn es wurde immer schwieriger Schüler des Meranier Gymnasiums für sich zu begeistern. Ferner hatte man in der Schule mit großen Vorurteilen zu kämpfen. So erlitt die Abituria Anfang der 70er Jahre das traurige Los der Vertagung. Während langer Zeit bestand die Aktivitas nur aus einem‚ einzigen Bundesbruder. Nachdem diese Vertagung fast 10 Jahre anhielt, beschloß die Altherrenschaft noch einmal alle Hebel in Bewegung zu setzen und begann mit einer intensiven Keilarbeit in den 10. und 11. Klassen des Meranier Gymnasiums. Die aufgrund der vielen Vorurteile nicht einfache Arbeit wurde jedoch mit Erfolg gekrönt, als zum 55. Stiftungsfest 1980 7 Schüler dem Bund beitraten und somit die Vertagung beendet wurdq4Da aber zunächst keine jungen BbBb die Ämter übernehmen konnten, übernahmen die AHAH Gerhard Fiedler und Alfred Adam die Fuxmajorscharge, und die anderen Ämter wurden provisorisch von den AHAH Werner Hofmann, Ulrich und Michael Schultheiß geführt. Nachdem im Frühjahr 81 die ersten Burschungen anstanden, konnten die jungen Aktiven das Bundesleben wieder selbst in die Hand nehmen. So wurden traditionelle Veranstaltungen mit neuen Ideen kombiniert, und es entstand ein neues, attraktives Bundesleben. Die Kneipen wurden im Bergschloß und in der Wallachei abgehalten, die Fuxenstunden vorwiegend im Deutschen Haus. Höhepunkt des Sommersemesters ist die Forstkneipe im Langheimer Forst sowie das Stiftungsfest Ende September. Im Wintersemester ist das traditionelle Weihnachtsessen auf der Karolinenhöhe die bestbesuchteste Veranstaltung, bei der sich Jung und Alt treffen. 1985 stellte der AH Vorsitzende Werner Hofmann v./ Fips der Verbindung einen Kellerraum zur Verfügung. Dieser wurde sofort Fuxenkeller genannt, und ab sofort wurden hier die Fuxenstunden, Fuxenkneipen und etliche andere Veranstaltungen abgehalten. Hier kristallisierte sich der Fixpunkt unserer Verbindung heraus. Nach 5—jähriger intensiver Nutzung wurde er an 6 Samstagen von den Bundesbrüdern renoviert und am 16.11.1990 neu eingeweiht. 1991 wurde uns von unserem AH Vorsitzenden Werner Hofmann ein weiterer Raum zur Verfügung gestellt, der ebenfalls von uns renoviert wurde, und in dem wir unseren kleineren Kneipen abhalten.